TEIL 2/3
Seit seiner Einführung hat der Euro zwar gut 40 Prozent seines Werts verloren, doch der Zuspruch ist bei der Bevölkerung hoch.
Im Frühjahr 2026 unterstützten 82 Prozent der Menschen im Euroraum die gemeinsame Währung.
Selbst die als Antieuropartei gegründete AfD lehnt neuerdings den Euro nicht mehr grundsätzlich ab.
Die aktuell hohe Inflationsrate von 3,8 Prozent wird nicht der EZB, sondern vor allem dem Irankrieg von Donald Trumpzugeschrieben.
Doch plötzlich macht die Angst vor einer Staatsschuldenkrise in Frankreich die Runde. Die Staatsverschuldung steht bei rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Das Haushaltsdefizit liegt bei mehr als fünf Prozent, während die Regierung nicht die Kraft für ausreichende Ausgabenkürzungen findet.
Am 2. Oktober kratzte die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen an der Fünf-Prozent-Marke.
Droht eine neue Eurokrise?
Die Wissenschaft war kritischer als die Politik.
Der US-Starökonom Paul Krugman warnte bereits 1990 vor wachsenden wirtschaftlichen Ungleichgewichten, weil der geplante Euroraum zu heterogen sei.
Milton Friedman befürchtete, dass eine einheitliche Geldpolitik politische Spannungen bis hin zur Spaltung auslösen könnte.
In Deutschland ging eine Gruppe von Professoren bis vor das Bundesverfassungsgericht. Denn nach der Theorie der optimalen Währungsräume von Robert Mundell ist eine gemeinsame Währung nur dann stabil, wenn die Konjunkturzyklen gleich verlaufen.
Das war für die Eurokandidatenländer 1999 nicht der Fall.
Ist ein Teil des Währungsraums im Boom und der andere in der Krise, dann verstärkt eine gemeinsame Geldpolitik Ungleichgewichte.
Ein auf den Durchschnitt beider Teile ausgerichteter Leitzins verschärft in dem Teil, der in der Krise ist, die Rezession, weil er zu hoch ist.
In dem Teil mit guter Konjunktur treibt er die Inflation weiter nach oben, weil er zu niedrig ist.
Flexible Arbeitsmärkte können ungleiche Konjunkturen ausgleichen.
In der Krisenregion müssen die Löhne fallen und die Arbeitslosen in Regionen mit besserer Konjunktur abwandern.
Doch die Arbeitsmärkte sind in den meisten Euroländern unflexibel.
Sprachbarrieren und hoch entwickelte Sozialsysteme behindern die Arbeitsmobilität über die Grenzen.
Die Europäische Kommission hoffte deshalb, dass die Fixierung der Wechselkurse via mehr Handel zu einer Angleichung der Konjunkturzyklen führen würde.
Denn das eigentlich wirksamste Instrument zur Angleichung der Konjunkturzyklen – eine gemeinsame Finanz- und Sozialpolitik in einer politischen Union – war zu Zeiten der Eurogründung politisch unrealistisch.
Stattdessen trieben unkoordinierte Finanzpolitiken die Konjunkturen im jungen Euroraum auseinander.
In Deutschland brachte Kanzler Gerhard Schröder ab 2003 weitreichende Reformen voran, welche die Ersparnisbildung erhöhten und die Konjunktur bremsten.
Die deutschen Banken vergaben deshalb mehr Kredite in den südlichen Euroraum und nach Irland, wo diese den Staatskonsum und/oder Spekulation auf den Immobilienmärkten anheizten.
Damit glichen die Finanzmärkte im Euroland nicht wie erhofft unterschiedliche Konjunkturzyklen aus, sondern wurden zur Quelle von Übertreibungen, die in die europäische Finanz- und Schuldenkrise mündeten.
Die Risikoprämien auf die Staatsanleihen der hoch verschuldeten Euroländer stiegen an, was zunächst von den Parlamenten legitimierte Rettungspakete auslöste.
Weil das nicht reichte, übernahm im Juli 2012 EZB-Präsident Mario Draghi mit dem Ausspruch „Whatever it takes“ die Verantwortung für den Fortbestand des Euro.
Der Euroraum ist über die Jahre noch heterogener geworden
Das bedeutete den Startpunkt für eine fundamentale Veränderung der Architektur der Europäischen Währungsunion.
Die implizite Garantie für den Fortbestand des Euro durch die EZB ermunterte Politiker zu hohen Staatsausgaben und Staatsschulden.
Der Stabilitäts- und Wachstumspakt zur Schuldenkontrolle im Währungsraum wurde immer wieder ignoriert, nicht durchgesetzt, ausgesetzt und verwässert.
@arminius_erben
Teil 3/3👇
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