Eben bekam ich eine Anfrage zur HPV-Impfung von einer Mutter, deren 9-jährige Tochter bald in der Schule geimpft werden soll. Sie hat ge-googelt und einen Beitrag des ORF vom Juni 2026 gefunden. In diesem Artikel wird bejubelt, dass in England - laut einer im Journal Lancet erschienenen Studie - von 2020 bis 2024 keine einzige junge Frau in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren am Gebärmutterhalskrebs gestorben ist. Damit, so die Autoren, habe die HPV Impfung fast 200 Menschenleben gerettet.
Das seien doch beeindruckende Resultate, sagte die Mutter und fragte, ob man dem trauen könne.
Ich habe in meinem Archiv eine Menge alter Ausgaben des Jahrbuchs der Gesundheitsstatistik. Und so sah ich nach, wie sich die Lage hierzulande darstellt.
Geimpft ist derzeit etwa die Hälfte der 14-jährigen Mädchen.
Die Gratis HPV-Impfung wurde im Jahr 2014 unter Gesundheitsminister Alois Stöger eingeführt.
Ich sehe im Jahresbericht von 2016 nach, wie viele Todesfälle an Gebärmutterhalskrebs damals in der Altersgruppe von 20 bis 24 aufgetreten sind. Es sind null.
Also gehe ich etwas zurück und sehe als nächstes im Jahresbericht von 2013 nach: abermals null Todesfälle.
Ich gehe noch etwas weiter zurück in die Jahre 2005 und 2003, als sicher noch niemand geimpft wurde, weil es die Impfung damals noch nicht gegeben hat und finde: abermals null Verstorbene.
Nun hat England siebenmal mehr Einwohner als Österreich. Dennoch erscheint es eigenartig, dass bei uns offenbar kar keine Todesfälle aufgetreten sind - in England aber "200 Todesfälle durch die Impfung vermieden wurden".
Ich schau nochmal in einer breiteren Altersgruppe. Im Jahr 2020 sind bei uns im Alter von 15 bis 39 Jahren insgesamt 10 Todesfälle aufgetreten.
2016 waren es 6 Todesfälle. 2013 ebenfalls 6.
Das klingt nicht nach einer - Dank HPV Impfung - revolutionär besseren Perspektive. Auch die Gesamtzahl der Todesfälle Österrreichs zeigt wenig Fortschritt.
2015 gab es 139 Todesfälle
2016 waren es 138
2023 waren es 137.
Kaum Ausreißer nach oben oder unten.
In Österreich kann man die Erfolgsstory des ORF-Berichts also nicht so einfach auf die HPV-Impfung zurückführen, wie es die Lancet-Studie für England macht.
Hier gabs vor Einführung der Impfung bereits fast keine diesbezüglichen Krebs-Todesfälle bei jungen Frauen. Und mit der höheren Impfrate hat sich da wenig verändert.
Die Kinder mit derartigen Angst-Geschichten zur HPV-Impfung zu treiben, entbehrt somit jeglicher Grundlage.
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