Kunst statt Putinismus – unsere Forderung zum Russischen Haus
Wir bei Vesna sind der Meinung, dass das „Russische Haus“ in seiner jetzigen Form geschlossen werden sollte. Eine Schließung allein bringt jedoch wenig. Symbolisch ist sie wichtig: Der Putin-Staat verliert damit eine Möglichkeit, über Kultur Einfluss auf die Politik der Europäischen Union auszuüben. Doch es reicht nicht, diesen kulturellen Einfluss zu unterbrechen. Wir sollten ihn durch einen anderen, friedlichen ersetzen. Die russische Kultur ist vielfältig und wurde zur Rechtfertigung der Aggression des Kremls instrumentalisiert. Sie kann aber auch für entgegengesetzte Ziele genutzt werden.
Die Idee, das, was bisher vom Staat vereinnahmt wurde, durch etwas Gutes und Echtes zu ersetzen, halten wir für richtig. Neben Putin und der staatlichen, putinistischen Kultur gibt es eine andere Kultur – und nicht nur eine russische.
Ein zweiter Punkt ist uns wichtig: Schon der Name „Russisches Haus“ klingt imperial. In Russland leben viele verschiedene Völker. Im Idealfall sollte es deshalb kein „Russisches Haus“, sondern ein „Haus der Völker Russlands“ sein. Dort könnten Initiativen verschiedener Völker ihren Platz finden: Konzerte auf Tschuwaschisch, Tatarisch, Baschkirisch oder Komi ebenso wie Veranstaltungen in anderen Sprachen.
An diesem Ort sollte ein vielfältiger Kulturraum entstehen. Dort könnten Russisch und andere Sprachen der Völker Russlands unterrichtet werden. Belarussen, Ukrainer, Armenier und alle anderen Interessierten könnten eingeladen werden. Es könnte Konzerte, Lesungen, Buchvorstellungen, kulturelle Begegnungen und Versammlungen geben.
Unser zentraler Gedanke ist: Wir sollten kulturelle Brücken nicht endgültig abreißen, sondern darauf achten, in welche Richtung der Staat sie baut. Die Idee eines Kulturzentrums eines Landes in einem anderen Land ist an sich sinnvoll. Gerade jetzt sehen wir die Folgen, wenn solche Verbindungen gekappt werden. Deutschland hat das „Russische Haus“ als Reaktion auf den Angriff am Flughafen Leipzig geschlossen, Russland wiederum schließt das Goethe-Institut. Darunter leiden Menschen, die für die Handlungen ihres Staates keine Verantwortung tragen, zum Beispiel diejenigen, die in Deutschland studieren wollten, am Goethe-Institut Deutsch gelernt und dort ihre Sprachprüfungen abgelegt haben. Für sie wird vieles deutlich schwieriger. Am Ende trifft es die Falschen.
Wenn wir kulturelle Verbindungen erhalten, sie aber neu gestalten, können wir verhindern, dass Menschen für die Handlungen ihres Staates mit den Folgen bezahlen.
Und es gibt auch eine praktische Seite: Deutschland sollte dieses Gebäude weiter nutzen.
Es ist ein langjähriges Projekt, in das Deutschland viel investiert hat. Es wäre unsinnig, wertvolle Räume mitten in Berlin leer stehen zu lassen. Geben wir diesem Gebäude ein neues Leben!
Wir fordern, das „Russische Haus“ der russischen Opposition sowie zivilgesellschaftlichen, bildungspolitischen und kulturellen Initiativen im Exil zur Verfügung zu stellen.
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