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• Nicht Arbeit, sondern Knappheit könnte verschwinden. Wenn Texte, Bilder, Videos, Software, Analysen und Beratung nahezu beliebig produziert werden können, wird nicht unbedingt das Produkt schlecht – aber seine Verfügbarkeit explodiert. Der ökonomische Wert könnte sich deshalb vom Produzieren zum Auswählen, Vertrauen und Verifizieren verschieben.

• Effizienz kann zum Problem werden. Ein einzelnes Unternehmen profitiert davon, mit KI zehnmal billiger zu produzieren. Wenn jedoch alle Unternehmen dasselbe tun, entsteht hundertmal mehr Angebot. Der individuelle Wettbewerbsvorteil verschwindet, während möglicherweise gleichzeitig Preise und Margen sinken.

• Das Analoge könnte gerade durch KI wertvoller werden. Das erscheint zunächst widersprüchlich. Je perfekter synthetische Stimmen, Bilder, Videos und Texte werden, desto schwieriger wird die digitale Authentifizierung. Ein persönliches Treffen, ein Live-Vortrag, eine Werkstatt, ein Seminar oder ein physischer Gegenstand besitzt dann etwas, das sich nicht beliebig kopieren lässt: nachweisbare Präsenz.

• Wir beobachten möglicherweise die falsche Kennzahl. Viel Aufmerksamkeit liegt darauf, ob GPT-6, GPT-7 usw. intelligenter werden. Wirtschaftlich könnte aber entscheidender sein, was mit den Preisen von Wissen und digitaler Produktion geschieht. Dafür braucht KI nicht einmal AGI zu erreichen. Schon sehr leistungsfähige Assistenzsysteme können Produktionskosten drastisch verändern.

• Der Mensch könnte nicht verschwinden, sondern seine Position in der Wertschöpfungskette wechseln. Wenn die Maschine 1.000 Vorschläge erzeugen kann, wird die Fähigkeit, den richtigen auszuwählen, wichtiger. Beck beschreibt im Interview etwas Ähnliches am Beispiel des Fotografen: Die KI produziert Material, aber der Mensch entscheidet, welches Bild zur Zielsetzung passt.

Daraus ergibt sich eine besonders interessante Ableitung:
Vielleicht ist die entscheidende KI-Revolution nicht die Automatisierung menschlicher Intelligenz, sondern die Entwertung beliebig reproduzierbarer Intelligenzprodukte.
Dann wäre die zentrale Frage nicht mehr: „Wann ersetzt KI den Menschen?“

Sondern:
„Was bleibt knapp, wenn Wissen, Bilder, Texte, Software und digitale Dienstleistungen nahezu unbegrenzt erzeugt werden können?“
Und genau dort könnten die zukünftigen Geschäftsmodelle liegen: nicht unbedingt bei der Erzeugung von noch mehr Information, sondern bei Vertrauen, Auswahl, Authentizität, Reputation, physischer Präsenz und nachweisbarer menschlicher Verantwortung. Das wäre tatsächlich eine wesentlich tiefgreifendere Veränderung als einfach „KI macht unsere heutigen Jobs schneller“.

Die Gewinner wären dann langfristig nicht zwangsläufig diejenigen, die am meisten produzieren, sondern diejenigen, die etwas anbieten können, das trotz KI knapp bleibt: Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Auswahl, Verantwortung, persönliche Beziehungen, physische Präsenz und einmalige reale Erfahrungen.
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