🕊 Franz Ruppert über Trauma, Bindung und die Geschichte einer Familie
Ein Kind hört auf zu weinen, weil seine Umgebung auf das Weinen mit noch mehr Bedrohung reagiert. An einem solchen Beispiel erklärt Franz Ruppert, wie er traumatische Erfahrungen versteht. Der Psychologe und Psychotherapeut stellt in seinem Vortrag bei der Arbeiterkammer Vorarlberg sein Modell von Trauma, Angst und Liebe vor.
Ruppert trennt belastenden Stress von Situationen, in denen die gewohnten Schutzreaktionen versagen. Kämpfen, fliehen oder um Hilfe rufen bringen dann keine Sicherheit mehr, sie machen alles nur schlimmer. Das Kind lernt: bloß nicht mehr weinen, bloß nicht bemerkbar machen, am liebsten gar nicht da sein. Erstarren und inneres Abstandnehmen sind für Ruppert Versuche der Psyche, eine überwältigende Lage zu überstehen, und Dissoziation übersetzt er mit einem inneren Wegtreten vom Erleben. Was später schwer verständlich wirkt, hat ursprünglich dem Überleben gedient.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Ruppert erklärt, wie ungelöste Erfahrungen einer Generation ganz leise und unbemerkt in die nächste hineinwirken, er nennt das Symbiosetrauma. Eine Mutter, die selbst Schlimmes erlebt hat, ist innerlich gespalten, und das Kind spürt das. Er spricht über die Sehnsucht nach Nähe und über Verbindungen, in denen die eigenen Bedürfnisse kaum noch vorkommen. Mit seiner Methode, der Aufstellung des Anliegens, will er solche Verstrickungen zielgenau sichtbar machen und lösen.
Am Ende steht bei ihm ein Gedanke, der tröstet: Verbundenheit darf Raum für eine eigene Haltung lassen. In der Diskussion danach erzählt eine Frau von ihrer alten, pflegebedürftigen Tante, und es geht um Angehörige, Pflege und die Frage, wann Hilfe von außen entlastet. Ruppert macht klar, dass die Beschäftigung mit solchen Themen Zeit und eine gute Begleitung braucht. Wenn dich seine Gedanken berühren, schau zuerst einmal hin, wo sich bei dir Nähe und Pflichtgefühl ineinander verknoten, und wie es sich anfühlen würde, beides ein wenig zu entwirren.
Faktenbox
① Ruppert erläutert Schutzreaktionen in überwältigenden Situationen
② Familiäre Bindungen betrachtet er über mehrere Generationen
③ Eigene Bedürfnisse und Verbundenheit dürfen nebeneinander bestehen
↘️ Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.
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