24.September 1983: Als in Wittenberg aus einem Schwert eine Pflugschar wurde
Ein Feuer, ein Amboss und ein Schmied: Auf dem Lutherhof in Wittenberg verwandelte Stefan Nau am Abend des 24. September 1983 ein Schwert in eine Pflugschar. Rund 2.000 Menschen verfolgten während des evangelischen Kirchentages, wie aus einer Waffe ein Werkzeug zur Bearbeitung des Bodens wurde. Friedrich Schorlemmer und die Wittenberger Friedensgruppe hatten die Aktion vorbereitet. Die biblische Hoffnung „Schwerter zu Pflugscharen“ bekam eine sichtbare Gestalt.
In der DDR war das politisch absolut brisant. Der Staat erklärte Frieden zwar zum eigenen Anliegen, begegnete einer unabhängigen Friedensbewegung aber mit großem Misstrauen und Gegendruck. Jugendliche, die das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ auf ihrer Kleidung trugen, wurden aufgefordert, die Aufnäher zu entfernen und gerieten dauerhaft in den Fokus der Stasi. Wer Abrüstung verlangte, sollte offenbar nicht zu deutlich nach der Militarisierung im eigenen Land fragen.
Für mich liegt darin die besondere Bedeutung dieses Datums: Menschen nahmen das Wort Frieden ernst und beanspruchten, auf ihre Weise darüber nachzudenken und öffentlich für echte Abrüstung einzutreten. Die Hammerschläge von Wittenberg wurden zu einem der bekanntesten Bilder der unabhängigen DDR-Friedensbewegung. Sie erinnern noch heute daran, dass Frieden keiner Staatsführung gehört, sondern von Menschen gelebt wird.
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