New York im Winter des Jahres 1911. Draußen herrschte klirrende Kälte und drinnen, in einem gewöhnlichen Klassenzimmer, schliefen Schulkinder und waren dabei dick in ihre Decken gewickelt, während die Fenster weit offen standen.
Dieses Bild war zu jener Zeit gar nicht so besonders, sondern ein bewusst gewähltes Konzept. Denn es handelte sich hierbei um eine sogenannte "Fresh Air Class" an der "Public School 51" in Manhattan.
Während der täglichen Ruhestunde legten sich die Kinder hier in extra dafür aufgestellte Liegestühle und hüllten sich fest in ihre Decken. Anschließend schliefen sie dort für eine Weile im kalten Klassenraum.
Durch die geöffneten Fenster strömte währenddessen ununterbrochen frische Luft herein. Ärzte und Pädagogen jener Zeit gingen nämlich davon aus, dass genau dieser "luftige" Mittagsschlaf unglaublich hilfreich war.
Denn vor allem kränkliche oder besonders anfällige Kinder sollte er schützen, da Tuberkulose damals zu den häufigsten Todesursachen überhaupt zählte.
Solche Freiluft oder auch Frischluftschulen entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts in zahlreichen amerikanischen Großstädten. Man setzte dabei vor allem auf die bereits erwähnte Frischluft, ausreichend Tageslicht, Ruhe und gute Ernährung.
Und das unabhängig von der Außentemperatur.
Manche Schulen unterrichteten ihre Kinder sogar komplett im Freien. In diesen Fällen trugen die Kinder dafür dick gefütterte Schlafsäcke. Und das Lehrpersonal unterrichtete dabei häufig in Mänteln oder anderen warmen Klamotten.
Solche Klassen blieben noch bis weit in die 1930er Jahre fester Bestandteil des Schulalltags. Erst mit dem Rückgang der Tuberkulose und dem Aufkommen wirksamer Medikamente verschwanden sie leider langsam wieder aus dem Stadtbild.
Statement: Ich bin als Lehrerin, so oft es ging, mit den Kindern im Wald gewesen.
Es war viel aufregender, viel intensiver und nicht nur ich fühlte mich letztendlich auch um Einiges besser, als in einem aufgeheizten, stickigen Klassenzimmer. Die Bäume und die frische Luft sorgten dafür, dass alle Kinder auf ihre Weise ihre Kreativität wieder entdeckten.
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