📰 Stellvertretender Direktor des Instituts für Europastudien der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAW), Leiter des Zentrums für Deutschlandstudien am Institut für Europastudien der RAW Wladislaw Below
📍 Eine besondere symbolische Bedeutung erhält der heutige Zeitpunkt durch den 25. Jahrestag der Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Deutschen Bundestag am 25. September 2001. Damals ging der russische Staatspräsident von der Möglichkeit aus, einen gemeinsamen europäischen Sicherheitsraum zu schaffen, der auf Vertrauen, der Berücksichtigung gegenseitiger Interessen und der Mitwirkung Russlands an Entscheidungsprozessen beruhen sollte. Ein Vierteljahrhundert später befinden sich die russisch-deutschen Beziehungen an einem grundlegend anderen Punkt.
📍 Es erscheint sinnvoll, den Text der Rede von 2001 sowohl in Moskau als auch – insbesondere – in Berlin erneut zu lesen, nicht als Programm für eine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern als Zeugnis dafür, wie weit sich beide Seiten von der damals bestehenden Vorstellung eines gemeinsamen europäischen Sicherheitsraums und gegenseitiger Abhängigkeit entfernt haben. Eine der wichtigsten Lehren des vergangenen Vierteljahrhunderts besteht nicht in der Notwendigkeit, das frühere Modell der Beziehungen wiederherzustellen, sondern in der Erkenntnis, dass selbst eine tiefgreifende wirtschaftliche Interdependenz ohne stabile Kommunikationskanäle und die gegenseitige Berücksichtigung von Interessen für sich genommen nicht in der Lage ist, politische Konfrontation zu verhindern.
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