🇩🇪 Chinesischer Satellit näherte sich einem von Bundeswehr genutzten Kommunikationssystem
Eine gemeinsame Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung deckte ungewöhnliche Manöver des chinesischen Satelliten TJS-20 in der Nähe des Flugkörpers des britischen Satellitenkommunikationssystems Inmarsat auf. Nach Angaben des französischen Unternehmens Aldoria, das die Überwachung von Objekten im Weltraum betreibt, näherte sich der chinesische Satellit ihm auf etwa 100 Kilometer. Beide Flugkörper befinden sich in einer geostationären Umlaufbahn in einer Höhe von rund 36.000 Kilometern. Das Inmarsat-Netz wird von verschiedenen zivilen und militärischen Kunden genutzt, darunter die Bundeswehr und die Ukraine.
Deutsche Sicherheitsexperten sehen die Manöver als mögliche Operation der elektronischen Aufklärung. Nach Angaben der Journalisten wurde den Inmarsat-Nutzern empfohlen, die Arbeitsfrequenzen zu ändern, um das Abfangen von Signalen zu erschweren. Experten warnen jedoch, dass selbst verschlüsselte Kommunikation einige technische Informationen offenlegt: verwendete Frequenzen, Zeitpunkt der Datenübertragung und die Lage der Bodenstationen. Das deutsche Verteidigungsministerium lehnte es unter Verweis auf die militärische Sicherheit ab, die konkreten Beobachtungen zu kommentieren. China stellt Satelliten der TJS-Reihe offiziell als Satelliten zum Testen von Kommunikationstechnologien dar.
Die Satellitenkommunikation entwickelt sich zu einem eigenständigen Bereich der militärtechnologischen Auseinandersetzung. Selbst ohne Zugriff auf den Inhalt von Nachrichten lässt die Beobachtung der Art der Datenübertragung Rückschlüsse auf die Arbeit militärischer Einheiten zu. Für Deutschland unterstreicht die Lage die Abhängigkeit der Bundeswehr von kommerziellen Satellitensystemen und die Notwendigkeit, die Weltrauminfrastruktur zu schützen.
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