Eine neue Studie im Fachjournal Microbiome (Rodriguez et al., 2024) hat ein Experiment gemacht, das fast absurd klingt: Eine Person schickt exakt dieselbe Stuhlprobe an sechs Anbieter von „Darmflora-/Mikrobiom-Tests“. Ergebnis: sechs Berichte, sechs unterschiedliche Aussagen.
Was dabei herauskam 📉
➡️ Gleiche Probe, andere Bewertung: Je nach Anbieter wird dieselbe Stuhlprobe als sehr gut, durchschnittlich oder ungünstig eingestuft (z. B. bei „Diversität“, Enterotyp, Entzündungsstatus, einzelnen Bakterien).
➡️ Scores ohne nachvollziehbare Basis: „Dysbiose-Index“ oder „Gut-Health-Score“ liefern teils komplett unterschiedliche Ergebnisse – ohne zu erklären, wie diese Zahlen entstehen.
➡️ Unklar, was überhaupt „normal“ ist: Die Berichte sagen meist nicht, welche Vergleichsdaten als Norm dienen – manchmal wirkt es, als wäre die eigene Kundendatenbank der Maßstab.
Das Urteil der Autoren 🔎
Die Autoren schreiben selbst, dass die Unterschiede zwischen den Laboren so groß sind, dass „mindestens einige der Testergebnisse ungenau sein müssen“ – und dass die klinische Nutzung solcher Interpretationen „derzeit unmöglich“ und von „begrenztem klinischem Nutzen“ ist.
Wenn dieselbe Probe je nach Anbieter „gesund“ oder „krank“ ist, dann ist das kein Test – sondern ein Horoskop aus Sequenziergeräten.
Und trotzdem… 🤑
Genau mit diesen Tests wird heute Geld verdient und Angst geschürt. Menschen werden dadurch verunsichert, bekommen Labels wie „hohe Dysbiose“ oder „stark verändertes Mikrobiom“ – und landen nicht selten bei teuren Probiotika, Programmen und Lifestyle-Paketen, auch in der alternativen Gesundheitsszene.
Einordnung von NEXT LEVEL 🎯
Aus NL-Perspektive ist das kein Zufall, sondern eine logische Folge des zugrunde liegenden Narratives: Das „Mikrobiom“-Konstrukt baut auf Konzepten wie „Gene“, „16S rRNA“ und „Biomarker“ auf – also auf rechnerisch erzeugten Mustern aus PCR/Sequenzierung und Bioinformatik, nicht auf direkten, kontrollierten Beobachtungen in Lebewesen. Je nach Labor, Pipeline und Rechenschritten entstehen dadurch völlig unterschiedliche „Realitäten“.
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