Das ist nicht mal mehr „Moment, das war erlaubt?". Die haben einfach jeden Anstand verloren.
Amazon hat ein Ohr auf den Markt gebracht. Aber zuerst der Kontext.
Im September zeigte Apple die Apple Watch Series 12 und Ultra 4 mit einem Funktionspaket namens Audio Intelligence. Das Herzstück: Siri Recap – die Uhr hört den ganzen Tag mit, was um einen herum passiert, und liefert abends eine Zusammenfassung der Gespräche, „um das Gedächtnis aufzufrischen und im Moment zu bleiben". Dazu Live Rewind: doppelter Druck auf die Krone, und auf dem Display erscheint der Text der letzten fünfzehn Sekunden des Gehörten.
Apple wusste natürlich, worauf sie sich einlassen, und hat gleich eine ganze Verteidigungslinie aufgebaut. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert. Rohaudio wird nicht aufgezeichnet und nicht gespeichert. Die Zusammenfassung ist kein Transkript, sondern eine verdichtete Nacherzählung. Sprecher werden nicht identifiziert. Die Verarbeitung läuft in Private Cloud Compute, in die laut Apple nicht mal Apple selbst hineinschaut. Zusammenfassungen werden nach sieben Tagen gelöscht, wenn man sie nicht speichert. Man kann einen Zeitplan einrichten: bei der Arbeit hört sie zu, zu Hause und nachts nicht. Der Launch wurde bis Ende des Jahres angekündigt, vorerst war es nur eine Ankündigung.
Ha. Hat nichts geholfen. Die Schlagzeilen waren überall gleich: „Apple Watch hört jetzt immer mit." Apples Chef John Ternus erklärte Journalisten, die Uhr mache „High-Level-Notizen", kein Protokoll. Aber stellt euch vor: ihr sitzt in einem Meeting, am Handgelenk des Kollegen läuft Recap – ihr werdet aufgezeichnet, ohne es zu wissen und ohne gefragt worden zu sein. Ein Gespräch, das für den Raum gedacht war, landet in jemandes „KI-Tagebuch". Und da ist es dann egal, wie Apple verschlüsselt und löscht: der Status des Gesprächs hat sich grundlegend verändert.
Während Apple also noch in der Defensive war, brachte Amazon zwei Geräte unter der Marke Bee heraus. Das Armband Frontier für 75 Dollar und Eclipse für 100 Dollar – eine magnetische Karte für die Rückseite des Handys. Die Aufnahme startet per Knopfdruck – Amazon betont das ausdrücklich, vor dem Hintergrund des Skandals um die „immer lauschenden" Apple Watch. Aber einmal gedrückt, nimmt es alles auf: Gespräche, Meetings, fremde Bemerkungen in der Küche. Den Knopf drückt ihr – nicht die Leute um euch herum.
Das Audio wird angeblich sofort gelöscht, das Transkript bleibt aber erhalten, die KI macht daraus eine Zusammenfassung und eine To-do-Liste. Und jetzt kommt das Interessanteste – für 12 Dollar im Monat. Im Pro-Abo verbindet sich Bee mit eurem Amazon-Konto und verwandelt beiläufig gesprochene Sätze in Produktempfehlungen. Beispiel aus der Ankündigung selbst: ihr sagt laut, dass das Spülmittel alle ist – und schon steht es auf der Amazon-Startseite. Den Rest könnt ihr euch selbst ausmalen: über einen tropfenden Hahn geklagt – schon bekommt ihr einen Abflussreiniger und einen Klempner empfohlen. Die Erinnerungsfunktion ist dabei Nebensache. Die Hauptsache ist: euer Alltag wird zum Verkaufstrichter.
Wir haben ja ohnehin immer schon geargwöhnt, dass man uns abhört und dann Werbung zeigt. Und jetzt sollen wir dafür auch noch bezahlen!? Sollen sie doch einpacken!
Gut, ich gebe es zu: ein gewisser Reiz ist da. Ein Gespräch mit dem Chef oder einem unverschämten Verkäufer aufzunehmen – das wäre manchmal sehr praktisch. Aber zu wissen, dass jede meiner Bemerkungen in jemandes Datei landen kann, wäre mir zu viel. In Europa wird man das wohl kaum erlauben – obwohl wir sehen werden, wie schnell Amazon das auf die Probe stellt.
Also meine Frage: Würdet ihr so etwas kaufen – wegen der Zusammenfassungen? 🐝 Und wenn ihr so ein Ding am Handgelenk eines Bekannten seht – ändert ihr dann, was ihr sagt?
Quelle
Amazon hat ein Ohr auf den Markt gebracht. Aber zuerst der Kontext.
Im September zeigte Apple die Apple Watch Series 12 und Ultra 4 mit einem Funktionspaket namens Audio Intelligence. Das Herzstück: Siri Recap – die Uhr hört den ganzen Tag mit, was um einen herum passiert, und liefert abends eine Zusammenfassung der Gespräche, „um das Gedächtnis aufzufrischen und im Moment zu bleiben". Dazu Live Rewind: doppelter Druck auf die Krone, und auf dem Display erscheint der Text der letzten fünfzehn Sekunden des Gehörten.
Apple wusste natürlich, worauf sie sich einlassen, und hat gleich eine ganze Verteidigungslinie aufgebaut. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert. Rohaudio wird nicht aufgezeichnet und nicht gespeichert. Die Zusammenfassung ist kein Transkript, sondern eine verdichtete Nacherzählung. Sprecher werden nicht identifiziert. Die Verarbeitung läuft in Private Cloud Compute, in die laut Apple nicht mal Apple selbst hineinschaut. Zusammenfassungen werden nach sieben Tagen gelöscht, wenn man sie nicht speichert. Man kann einen Zeitplan einrichten: bei der Arbeit hört sie zu, zu Hause und nachts nicht. Der Launch wurde bis Ende des Jahres angekündigt, vorerst war es nur eine Ankündigung.
Ha. Hat nichts geholfen. Die Schlagzeilen waren überall gleich: „Apple Watch hört jetzt immer mit." Apples Chef John Ternus erklärte Journalisten, die Uhr mache „High-Level-Notizen", kein Protokoll. Aber stellt euch vor: ihr sitzt in einem Meeting, am Handgelenk des Kollegen läuft Recap – ihr werdet aufgezeichnet, ohne es zu wissen und ohne gefragt worden zu sein. Ein Gespräch, das für den Raum gedacht war, landet in jemandes „KI-Tagebuch". Und da ist es dann egal, wie Apple verschlüsselt und löscht: der Status des Gesprächs hat sich grundlegend verändert.
Während Apple also noch in der Defensive war, brachte Amazon zwei Geräte unter der Marke Bee heraus. Das Armband Frontier für 75 Dollar und Eclipse für 100 Dollar – eine magnetische Karte für die Rückseite des Handys. Die Aufnahme startet per Knopfdruck – Amazon betont das ausdrücklich, vor dem Hintergrund des Skandals um die „immer lauschenden" Apple Watch. Aber einmal gedrückt, nimmt es alles auf: Gespräche, Meetings, fremde Bemerkungen in der Küche. Den Knopf drückt ihr – nicht die Leute um euch herum.
Das Audio wird angeblich sofort gelöscht, das Transkript bleibt aber erhalten, die KI macht daraus eine Zusammenfassung und eine To-do-Liste. Und jetzt kommt das Interessanteste – für 12 Dollar im Monat. Im Pro-Abo verbindet sich Bee mit eurem Amazon-Konto und verwandelt beiläufig gesprochene Sätze in Produktempfehlungen. Beispiel aus der Ankündigung selbst: ihr sagt laut, dass das Spülmittel alle ist – und schon steht es auf der Amazon-Startseite. Den Rest könnt ihr euch selbst ausmalen: über einen tropfenden Hahn geklagt – schon bekommt ihr einen Abflussreiniger und einen Klempner empfohlen. Die Erinnerungsfunktion ist dabei Nebensache. Die Hauptsache ist: euer Alltag wird zum Verkaufstrichter.
Wir haben ja ohnehin immer schon geargwöhnt, dass man uns abhört und dann Werbung zeigt. Und jetzt sollen wir dafür auch noch bezahlen!? Sollen sie doch einpacken!
Gut, ich gebe es zu: ein gewisser Reiz ist da. Ein Gespräch mit dem Chef oder einem unverschämten Verkäufer aufzunehmen – das wäre manchmal sehr praktisch. Aber zu wissen, dass jede meiner Bemerkungen in jemandes Datei landen kann, wäre mir zu viel. In Europa wird man das wohl kaum erlauben – obwohl wir sehen werden, wie schnell Amazon das auf die Probe stellt.
Also meine Frage: Würdet ihr so etwas kaufen – wegen der Zusammenfassungen? 🐝 Und wenn ihr so ein Ding am Handgelenk eines Bekannten seht – ändert ihr dann, was ihr sagt?
Quelle