„Kinder sind Wesen, die niemandem gleichen.
Sie werden in Schulen aufgezogen, um wie alle anderen zu sein. Die Schule ist eine Schachtel, die sich wie ein Haus anfühlt.
Wir stecken das Kind in diese Schachtel, lassen es vierzehn oder fünfzehn Jahre lang in der Schachtel das Leben ansehen und ziehen es dann heraus. Es blinzelt und hat schmale Augen, weil es so lange im Dunkeln geblieben ist und wir sagen ihm: Gut gemacht, mein Schatz, du bist nun genau wie alle anderen!
Es ist aber nicht lustig, wie alle anderen zu sein. Niemand mag es. Glücklicherweise funktioniert es nicht.
Die Schultasche, die Fabrikschachtel, die Arbeitsschublade, das Arbeitslosenetui, die Fernsehbox, die Schachtelsammlung…keine Schachtel funktioniert, keine Schachtel ist gut genug, um das Leben daran zu hindern, doch noch einzugreifen, und wenn dieses echte Leben irgendwo einbricht, ist nichts mehr wie vorher, es schafft die große Unordnung, den ungebremsten Karneval der Farben.
Es ist sogar so, dass wir das echte Leben vom Tod unterscheiden: Wo alles sich gleicht, wo alles immer in Ordnung ist - das ist der Tod. Und wo alles seltsam, lustig, verwirrend und in Frage gestellt wird - da ist das Leben.“
Christian Bobin
https://t.me/simonevoss
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