"In einem Video-Interview, das weite Kreise zog, äußerte sich Fleur Hassan-Nahoum unmissverständlich über den Umgang mit Online-Kritikern. Die hochrangige Beamtin ist Israels Sonderbeauftragte für Handel und Innovation sowie ehemalige Vize-Bürgermeisterin von Jerusalem.
In dem Gespräch mit der Gruppierung „Shirion Collective“ beschrieb sie Methoden, die weit über herkömmliche Diplomatie hinausgehen:
„Wir werden Sie mithilfe von Google überwachen, Ihre Sicherheitslücken aufdecken, Sie entlassen lassen oder – falls Sie ein Unternehmen besitzen – Sie in den Ruin treiben.“
Wer ist das „Shirion Collective“?
Die Gruppe, mit der Hassan-Nahoum in dem Video kooperiert, bezeichnet sich selbst als pro-israelisches Überwachungsnetzwerk. Ihr Ziel: Die Entlarvung anonymer Nutzer im Netz, die sich kritisch gegenüber der israelischen Politik äußern. Dabei greift die Gruppe zu umstrittenen Methoden:
Doxing: Die Identifizierung und öffentliche Bloßstellung privater Daten.
Kopfgeld-Jagd: Die Gruppe bot in der Vergangenheit Belohnungen für Informationen über Personen an, die an Pro-Palästina-Protesten teilnahmen.
Wirtschaftlicher Druck: Gezielte Kampagnen gegen Arbeitgeber oder Geschäftspartner von Kritikern, um deren wirtschaftliche Existenz zu vernichten.
Während Hassan-Nahoum diese Taktiken als notwendige Innovation im Kampf gegen Antisemitismus verteidigt, sehen Menschenrechtsorganisationen darin eine gefährliche Form der digitalen Überwachung und eine systematische Einschüchterung, um unliebsame politische Meinungen im Ausland zum Schweigen zu bringen.
Fakten zum Kopfgeld-Programm des Shirion Collective:
Name des Programms: Es wurde intern und auf X (vormals Twitter) als „Insiders Against Antisemitism“ beworben.
Gestaffelte Belohnungen: Die Gruppe bot unterschiedliche Summen für die Identifizierung von Personen an, die sie als „Antisemiten“ oder „Hamas-Unterstützer“ einstuften (oft handelte es sich schlicht um Teilnehmer von Pro-Palästina-Demos). Die Beträge hingen vom sozialen Status der Zielperson ab:
- Studenten: ca. 500 bis 1.500 US-Dollar.
- Ärzte: bis zu 7.500 US-Dollar.
- Politiker: bis zu 10.000 (teilweise sogar 15.000) US-Dollar.
Zweck: Das Ziel war das sogenannte Doxing – also das Sammeln privater Informationen, um diese an Arbeitgeber, Universitäten oder die Öffentlichkeit zu schicken und so die berufliche Existenz der Betroffenen zu vernichten.
Auszahlungen: Das Kollektiv behauptete auf seinen Kanälen mehrfach, diese Kopfgelder tatsächlich ausgezahlt zu haben, nachdem „Insider-Informationen“ geliefert wurden, die zur Identifizierung von Demonstranten führten.
Hinter der Gruppe steckt laut einer investigativen Recherche des Guardian ein Tech-Unternehmer namens Daniel Linden aus Florida. Die Gruppe rühmt sich zudem einer KI namens „Maccabee“, die angeblich Gesichter in Videos erkennt und mit Social-Media-Profilen abgleicht, um die Überwachung zu automatisieren.
Das macht das Video von Fleur Hassan-Nahoum so brisant: Eine offizielle Vertreterin des Staates Israel (Sonderbeauftragte für Innovation) lobt und legitimiert eine Gruppe, die offen mit Kopfgeld-Jagd und Existenzvernichtung im Ausland arbeitet." NEX24
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