Frau Holle - weise Göttin
Es heißt, dass in der tiefsten Dunkelzeit ein Tor aufgeht, zwischen fallenden Flocken und der Stille der Sperrnächte, dort, wo die weiße Pracht des Winters die Welt für einen Atemzug stillstehen lässt.
Hinter funkelden Eiskristallen wandelt Frau Holle durch die Zwischenräume der Zeit.
Man erzählt, die Hüterin der Naturkraft streiche reinigend mit weißer Schneedecke über unsere Seele, wie über frisch gewaschene Laken.
Wenn die Nächte am längsten und die Sterne am fernsten scheinen, öffnet Frau Holle die Räume zwischen den Welten.
Mit jeder hauchdünnen Schneedecke lösen sich alte Geschichten, um zu neuen erzählt zu werden. Zugedeckt sammeln sich das Verborgene und das Vergessene unserer Träume und legt sich sanft in ihre weisen Hände.
Sie führt die Seelen, die bereit sind, und lässt die Lebenskraft durch die helle Kälte fließen, so als würden selbst die dunkelsten Stunden im neuen Licht gereinigt.
Wer erkennt wird berührt von der immerwährenden natürlichen Ordnung, die sie webt – und der alten Weisheit, dass in jedem Ende ein Beginn liegt, in jedem Abschied ein neuer Samen für das Leben.
Wer der Naturkraft von Frau Holle bewusst begegnet, spürt ein Versprechen: Nichts geht verloren, alles wandelt sich und ist bereit für Neues.
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