🧳 Die Isdal-Frau: In einem norwegischen Tal wird 1970 eine Tote gefunden. Alle Etiketten aus der Kleidung geschnitten, Fingerabdrücke abgeschliffen, acht Pässe im Bahnhofsschließfach. Bis heute weiß niemand, wer sie war
Manche Fälle sind unheimlich, weil sie unerklärlich sind. Dieser ist unheimlich, weil hier jemand ganz offensichtlich alles getan hat, um nie identifiziert zu werden. Und es hat funktioniert. 😳
Isdalen, ein abgelegenes Tal bei Bergen, Norwegen, 29. November 1970. Ein Vater ist mit seinen zwei Töchtern wandern. Zwischen den Felsen finden sie den teilweise verbrannten Leichnam einer Frau, umgeben von Gegenständen: Schmuckstücke, eine Regenkappe, Flaschen, Reste einer Mahlzeit, ein Regenschirm.
Was die Ermittler dann feststellen, macht den Fall zu dem, was er ist. Aus sämtlichen Kleidungsstücken sind die Etiketten herausgeschnitten. Die Kennzeichnungen auf den Flaschen sind entfernt. Und die Fingerkuppen der Frau sind abgeschliffen worden.
Im Schließfach des Bahnhofs von Bergen finden sie zwei Koffer. Darin: Perücken, Kosmetik, Bargeld in mehreren Währungen, verschreibungspflichtige Tabletten und ein Notizbuch mit einer Reihe verschlüsselter Einträge. Die Polizei entschlüsselt sie später als Datums- und Ortsangaben ihrer Reisen. Denn die Frau war viel unterwegs, quer durch Europa, und checkte in Hotels unter mindestens acht verschiedenen Namen mit passenden Papieren ein. Personal beschrieb sie als gepflegt, mehrsprachig, zurückhaltend, mit Akzent.
Die Ermittlungen liefen 1971 aus, offiziell mit dem Ergebnis Suizid. Viele in Norwegen halten das bis heute für schwer nachvollziehbar. 2017 nahmen die Kriminalpolizei und der öffentliche Rundfunk den Fall noch einmal auf. Eine Isotopenanalyse ihrer Zähne ergab, dass sie ihre Kindheit sehr wahrscheinlich im Raum Nürnberg verbracht hatte und später in Mittel- oder Südeuropa lebte. Ein Name kam auch damit nicht heraus.
Ich sag's mal so: Ich halte mich hier mit Spott zurück, denn am Ende steht ein Mensch, den bis heute niemand nach Hause holen konnte. Was mich nicht loslässt, ist die Aufwandsseite. Etiketten schneidet man nicht aus Kleidung, wenn man einfach nur verreist. Das war jemand, der beruflich unsichtbar sein musste, und irgendwo wartet vermutlich bis heute eine Familie.
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