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Birgit Myriel Brahner Birgit Myriel Brahner @birgitmyriel · 592 subscribers
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Forwarded from Maria Drechsler

Clara, Jakob und die Elfen, die keine waren

„Also“, sagte Jakob, „wie war das Elfenfestival?“

Clara stellte ihre Kaffeetasse auf den Tisch und dachte nach.

„Es war ein bisschen wie das Leben.“

„Das klingt verdächtig.“

„Warum?“

„Weil Menschen immer dann sagen, etwas sei wie das Leben, wenn sie nicht wissen, wie sie es erklären sollen.“

Clara lachte.

„Vielleicht hast du recht.“

„Also?“

„Also bin ich zuerst in die Kirche gegangen.“

Jakob nickte.

„Natürlich.“

„Was heißt hier natürlich?“

„Alle anderen gehen zuerst zum Kaffee. Du gehst zuerst zu Christus.“

„So könnte man das formulieren.“

Die kleine Kirche lag am Rand des Geländes. Draußen flatterten bunte Fahnen zwischen den Bäumen. Kinder liefen herum. Irgendwo wurden Stände aufgebaut.

Doch Clara zog es zuerst dorthin.

In die Stille.

Sie nahm ihre Himmelsleiter in die Hand und spielte die Christusfrequenz.

Nicht als Konzert.

Nicht als Vorführung.

Einfach als Gruß.

An den Ort.

An die Erde.

An die Menschen.

An die sichtbaren und unsichtbaren Bewohner des Platzes.

„Und?“, fragte Jakob.

„Und was?“

„Haben die Wesenheiten applaudiert?“

„Nein.“

„Schade.“

„Aber ich glaube, sie haben zugehört.“

„Das reicht meistens.“

Danach begann der Rundgang.

Überall hingen kleine Dinge in den Bäumen.

Silberne Schneckenschalen.

Perlen.

Bänder.

Glitzernde Kleinigkeiten.

Nichts Großes.

Nichts Lautes.

Man musste genau hinschauen.

„Wie bei den guten Dingen im Leben“, murmelte Jakob.

„Genau.“

Es gab Bereiche in verschiedenen Farben.

Rot.

Blau.

Gold.

Im roten Bereich arbeiteten zwei Frauen konzentriert an einer Installation.

Im blauen Bereich schien die Welt plötzlich langsamer zu werden.

Und am Ende kam Gold.

Überall Gold.

Goldene Stoffe.

Goldene Fäden.

Goldene Dekorationen.

In der Mitte saß eine Frau und webte.

Oder flocht.

Oder zauberte.

Clara wusste es nicht genau.

Aber irgendetwas in ihr blieb dort hängen.

Diese goldenen Fäden erinnerten sie an all die seltsamen Wege ihres Lebens.

An Begegnungen.

Verluste.

Reisen.

Umwege.

Wunden.

Heilung.

Nichts davon hatte einzeln Sinn ergeben.

Doch gemeinsam entstand ein Muster.

„Wie bei einem Teppich“, sagte Jakob.

„Oder bei einer Ahnenlinie.“

„Oder bei einer Steuererklärung.“

„Jakob!“

„Manche Muster sind eben schwer zu erkennen.“

Clara musste lachen.

Später trafen sich die Kristallklanghüter.

Menschen mit Kristallharfen.

Kristallklangschalen.

Klangstäben.

Instrumenten, die aussahen, als hätten Elfen sie direkt aus einem Sternenstaublager bestellt.

Gemeinsam probten sie für ein großes Konzert.

Die Klänge stiegen in den Himmel.

Mal sanft.

Mal kraftvoll.

Mal so, als würde jemand Licht hörbar machen.

Clara spielte mit.

Konzentriert.

Verbunden.

Mitten im Kreis.

„Und dann?“

„Dann habe ich beschlossen, beim Konzert nicht mitzuspielen.“

Jakob starrte sie an.

„Ihr habt geprobt.“

„Ja.“

„Für ein Konzert.“

„Ja.“

„Und dann hast du nicht mitgemacht.“

„Ja.“

„Das ergibt keinen Sinn.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

Jakob seufzte.

„Erkläre es dem armen Mann.“

Clara lächelte.

„Mein Becher war voll.“

„Mit Kaffee?“

„Mit Eindrücken.“

Und genau so war es.

Der Klangkreis.

Die Kirche.

Die Begegnungen.

Die Farben.

Die Elfen.

Die Menschen.

Alles zusammen hatte bereits eine Fülle erzeugt.

Zum ersten Mal in ihrem Leben spürte Clara keinen Drang, überall dabei sein zu müssen.

Kein FOMO.

Keine Angst, etwas zu verpassen.

Keine innere Stimme, die sagte:

Wenn du jetzt gehst, verpasst du den wichtigsten Moment.

Stattdessen sagte etwas anderes:

Es ist genug.

Und das war neu.

Sehr neu.

Fast verdächtig neu.

„Das nennt man Reife“, sagte Jakob.

„Das nennt man Müdigkeit.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Vielleicht beides.“

Dann kam der Moment, der den Tag veränderte.

Unter einem jungen Nussbaum.

Dort befand sich der Platz der Dankbarkeit.

Kein riesiger Baum.

Keine uralte Eiche.

Kein Baum aus einem Märchen.

Ein junger Nussbaum.

Aber er spendete bereits wunderbaren Schatten.

Clara setzte sich auf eine Bank.

Nahm ihre Himmelsleiter.

Und spielte.

Einfach so.
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