In den Farben getrennt, auf dem Papier geeint?! Warum Rückständigkeit manchmal Fortschritt bedeutet...
Am heutigen 'Tag der Wiedervereinigung' möchten wir ein kurzes Resümee ziehen, was sich nach 36 Jahren tatsächlich verändert hat.
Stimmen aus dem politisch linken Lager würden anmerken, dass unser Land getrennter denn je ist.
Stimmen aus der Wirtschaft würden anmerken, dass 36 Jahre nach dem Fall der Mauer die ehemalige Zone immer noch wirtschaftlich schwächer dastehen, als die 'alten' Bundesländer.
Fragt man die Bevölkerung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR würden diese, zugegeben Richtigerweise, auf die ungleichen Löhne und Renten verweisen.
Wurde die ehemalige Zone im heutigen Osten Deutschlands in den 90ern noch als rückständig belächelt, erlebte man spätestens in den 2000ern in den meisten Städten einen wahren Bau- und/ oder Sanierungs- Boom, von dem gerade Städte wie Leipzig und Dresden massiv profitierten.
Längst vergangen sind die Zeiten, in denen Gründerzeithäuser vor sich hin gammelten. Bis auf einige Ausnahmen von Städten, deren Wirtschaft und Bevölkerung mit der Wende komplett zusammenbrach.
Abzuwarten bleibt, ob durch die Erfolge der AfD wieder die wirtschaftliche Steinzeit eintritt, durch das Schreckgespenst der Massenabwanderung von Fachkräften und Arbeitgebern, oder ob genau Gegenteiliges der Fall sein wird, weil die AfD geringere Hürden setzt bei Umweltauflagen oder Energiekosten subventioniert.
Und die politische Rechte?
Diese scheint etwas uneins zu sein. Nachdem direkt nach dem Fall der Mauer die große Chance schien, mit geballter Manpower das Ruder herumzureißen und mit demokratischen Mitteln eine Mehrheit zu erreichen, steht man heute quasi wieder bei Null. Mit der Heimat (vormals NPD) hat die älteste nationale Partei so gut wie ausgedient. Kleinere Parteien wie Der dritte Weg oder die Freien Sachsen können auf kommunaler Ebene minimalste Erfolge verbuchen.
Die AfD, die bestenfalls eine alte CDU der 90er Jahre unter Kohl darstellt, bietet für ans allenfalls eine Alternative um 'die da oben' aus der Reserve zu locken.
Während im Westen Deutschlands zunehmend der Anteil der eigenen Bevölkerung sinkt und wählen immer mehr zu ethnischen Wahlen werden, ist es kaum verwunderlich dass der eine oder andere "Wessi" den Kampf um seine eigene Heimat aufgibt, um im etwas homogerneren Osten der Republik Fuß zu fassen.
Was damals oft süffisant grinsend von manch Alt-BRD'ler abgetan wurde mit dem Wort "Jammerossi", bleibt auch 36 Jahre danach eine feste Konstante.
Hat der Oppositionelle DDR Bürger nach der "friedlichen Revolution" verpasst, nochmal eine richtige Revolution anzutetteln nachdem klar war, dass die Übernahme durch die Bundesrepublik nicht nur Honig und Milch fließen lässt, beharrt er hierzulande zumindest etwas vehementer auf seine Identität.
Was auf der einen Seite in unverständliche Ostalgie umschlägt (wie diese unsäglichen und oft von uns kritisierten Ost, Ost, Ostdeutschland- rufe) und man sich zurecht Fragen darf, wieso man einen Unrechtsstaat derart verherrlicht, lässt er sich dennoch seine Heimat und Identität nicht nehmen.
Diese Art der "Umerziehung" lässt sich hierzulande vielleicht nicht so einfach durchsetzen, wie von manchem Politiker gedacht. Vielleicht auch gerade deshalb, weil man seit 1990 gelernt hat, eben jenen selbst in einer Demokratie nicht vollends trauen zu können.
Zu hoffen bleibt nur, dass wir in den nächsten Jahren als geeintes deutsches Volk zu unserer Identität zurückfinden und die Rufe aus 40 Jahren einer anderen dunklen deutschen Geschichte verhallen.
Nur ein geeintes Deutschland ist ein starkes Deutschland!
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