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Alte Rezepte - Omas Küche & Hausmannskost Alte Rezepte - Omas Küche & Hausmannskost @alterezepte · 444 subscribers
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🍲 Schlorzifladen – Der Birnenfladen des Toggenburgs mit Rahmguss

📖 Geschichte & Herkunft:
Der Schlorzifladen stammt aus dem Toggenburg, jenem stillen Tal im Kanton St. Gallen, das sich zwischen Säntis und Churfirsten erstreckt. „Schlorzi" nennt man dort das eingedickte Birnenbrot-Mus, das aus getrockneten Birnen – den sogenannten Kletzen – über Stunden zu einer dunklen, honigartigen Masse eingekocht wird. Dieses Mus war jahrhundertelang die wichtigste Süsse der Toggenburger Bauernfamilien, lange bevor Zucker erschwinglich wurde. Der Fladen gehörte fest zur Kilbi, zur Kirchweih im Herbst, und wurde in grossen runden Blechen gebacken, die von Hof zu Hof getragen wurden.

Die ältesten schriftlichen Erwähnungen reichen ins 18. Jahrhundert zurück, doch die Tradition ist gewiss älter. Jede Familie hatte ihr eigenes Verhältnis von Schlorzi zu Rahmguss, jede Bäuerin ihre eigene Teigdicke. Wer einen guten Schlorzifladen brachte, genoss Ansehen im Dorf. Bis heute wird er an Toggenburger Alpfesten gebacken – aber ausserhalb der Region kennt ihn kaum jemand.

📝 Das ursprüngliche Rezept (4 Personen):

Teig: 250 g Mehl, 80 g Butter (kalt), 1 Ei, 1 Prise Salz, 3–4 EL kaltes Wasser.

Schlorzi-Füllung: 300 g getrocknete Birnen (Kletzen), 1 dl Birnenmost oder Wasser, 50 g Zucker, 1 TL Zimt, 1 Prise Nelkenpulver.

Rahmguss: 2 dl Vollrahm, 1 Ei, 1 EL Zucker, 1 Prise Muskat.

1. Getrocknete Birnen über Nacht in Birnenmost einweichen. Am nächsten Tag weich kochen, abgiessen und mit dem Zucker und den Gewürzen zu einem dicken, streichfähigen Mus zerdrücken. Es soll dunkel und klebrig sein – das ist der Schlorzi.

2. Mehl, kalte Butterstücke, Ei und Salz rasch zu einem Mürbeteig verarbeiten. In Folie gewickelt 30 Minuten kühl stellen.

3. Teig auf einem bemehlten Brett rund auswallen und in eine gebutterte Tarteform (26 cm) legen. Den Rand hochdrücken. Das Schlorzi-Mus gleichmässig auf dem Teigboden verstreichen.

4. Rahm, Ei, Zucker und Muskat verquirlen und vorsichtig über die Birnenmasse giessen. Der Guss soll den Schlorzi nicht vollständig bedecken – ruhig darf das Dunkle noch durchschimmern.

5. Im vorgeheizten Ofen bei 200 °C auf der untersten Schiene 30–35 Minuten backen, bis der Guss goldbraun gestockt ist und der Teigrand knusprig wird.

6. Lauwarm servieren, niemals heiss. Traditionell dazu: ein Glas kühler Suser oder Apfelmost.

💡 Warum es heute noch lohnt:
Der Schlorzifladen ist ein Meisterwerk bäuerlicher Sparsamkeit – aus Dörrobst, Rahm und Mehl entsteht etwas von betörender Tiefe. Das dunkle, würzige Birnenmus unter dem seidigen Guss ergibt einen Kontrast, den kein modernes Dessert so hinbekommt. Er verdient es, über die Toggenburger Hügel hinaus bekannt zu werden.

❓ FRAGE AN EUCH:
Habt ihr in eurer Region auch ein Gebäck, das nur zur Kirchweih oder zu einem bestimmten Fest gebacken wurde – und das langsam in Vergessenheit gerät?

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