🍲 Kimchi nach deutschem Vorbild – Sauerkraut neu gedacht
📖 Geschichte & Herkunft:
Die Milchsäuregärung gehört zu den ältesten Konservierungsmethoden Mitteleuropas. Schon im 17. Jahrhundert beschrieben Hauswirtschaftsbücher das Einsalzen und Stampfen von Weißkohl in Steintöpfen – ein Verfahren, das in bäuerlichen Haushalten von der Pfalz bis nach Schlesien den Winter überhaupt erst überlebbar machte. Das Sauerkraut war Grundnahrungsmittel, Vitaminquelle und Notvorrat in einem. James Cook nahm es 1768 fässerweise auf seine Südseereise, weil es gegen Skorbut half.
Was viele nicht wissen: Die Idee, Kohl mit Gewürzen, Wurzelgemüse und Schärfe zu fermentieren, ist keine rein koreanische Erfindung. In fränkischen und schwäbischen Quellen des 18. Jahrhunderts finden sich Rezepte, bei denen Kohl mit Meerrettich, Kümmel und sogar geriebenem Rettich eingestampft wurde. Die Verwandtschaft zum koreanischen Kimchi ist verblüffend. Dieses Rezept verbindet beide Traditionen – mit heimischen Zutaten, aber dem Mut zur Würze, den unsere Vorfahren durchaus kannten.
📝 Das ursprüngliche Rezept (4 Personen / ca. 1 großes Glas):
Zutaten:
- 1 kg Weißkohl, fein gehobelt
- 2 EL grobes Meersalz (ohne Jod)
- 1 kleine Steckrübe, grob geraspelt (ca. 150 g)
- 1 Möhre, grob geraspelt
- 3 cm frischer Meerrettich, fein gerieben
- 1 TL Kümmel, leicht angestoßen
- 1 TL Senfkörner
- 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
- 1 Messerspitze Cayennepfeffer (oder mehr nach Geschmack)
- 1 Bügelglas (1,5 Liter) oder Steintopf
Zubereitung:
1. Kohl hobeln, in eine große Schüssel geben und mit dem Salz kräftig durchkneten – mindestens 10 Minuten, bis reichlich Flüssigkeit austritt. Die Großmütter sagten: „Stampfen, bis der Kohl weint."
2. Steckrübe, Möhre, Meerrettich und Knoblauch untermischen. Kümmel, Senfkörner und Cayennepfeffer dazugeben und alles nochmals gründlich vermengen.
3. Die Masse schichtweise fest in das saubere Bügelglas drücken. Jede Schicht mit der Faust oder einem Holzstößel verdichten, bis die Lake über dem Gemüse steht. Oben mindestens 3 cm Platz lassen.
4. Ein gefaltetes Kohlblatt obenauf legen und mit einem kleinen Glas oder sauberem Stein beschweren, damit alles unter der Lake bleibt.
5. Glas bei Zimmertemperatur (18–22 °C) 5–7 Tage stehen lassen. Täglich einmal das Glas kurz öffnen, um Gase entweichen zu lassen. Es darf blubbern und leicht säuerlich riechen – das ist die Milchsäuregärung bei der Arbeit.
6. Wenn der Geschmack angenehm säuerlich-würzig ist, das Glas verschließen und im Kühlen lagern. Hält sich mehrere Monate.
💡 Warum es heute noch lohnt:
Dieses Rezept ist lebendiges Essen im wörtlichsten Sinne – voller natürlicher Milchsäurebakterien, die kein Industrieprodukt ersetzen kann. Es verbindet die Tradition des deutschen Sauerkrauts mit der Würzfreude, die wir heute am Kimchi lieben. Kein Plastik, kein Konservierungsmittel, nur Salz, Geduld und das Wissen von Generationen.
❓ FRAGE AN EUCH:
Habt ihr noch einen Gärtopf von früher zu Hause – und wurde er in eurer Familie tatsächlich benutzt?
#AlteRezepte #OmasKüche #VergesseneGerichte #KochenWieFrüher #Sauerkraut #Fermentieren #Eingemachtes #Milchsäuregärung
👇 Teile diesen Beitrag mit jemandem der das nachkochen soll.
📢 @AlteRezepte | 🌿 @AltesWissen
Post #175
583
- ❤ 2