🍲 Pichelsteiner Eintopf – Das Festessen der bayerischen Berge
📖 Geschichte & Herkunft:
Der Pichelsteiner geht auf das Jahr 1847 zurück, als die Wirtin Auguste Winkler auf dem Büchelstein bei Grattersdorf im Bayerischen Wald erstmals einen großen Gemeinschaftseintopf für ein Volksfest kochte. Sie warf zusammen, was die Bauern der Umgebung brachten: drei Sorten Fleisch, Kartoffeln, Kraut und Wurzelgemüse – alles geschichtet in einem gewaltigen Kessel über offenem Feuer. Das Fest auf dem Büchelstein wurde zur Tradition, der Eintopf zum Namensgeber.
Was als einfaches Kesselfleisch begann, fand bald seinen Weg in die bürgerlichen Küchen ganz Bayerns und darüber hinaus. Schon im Kochbuch von Marie Schandri, dem Standardwerk der Regensburger Küche von 1866, taucht der Pichelsteiner auf. Das Besondere: Im Gegensatz zu vielen Eintöpfen wird hier nicht alles durcheinander gekocht, sondern sorgfältig geschichtet – Fleisch unten, Gemüse darüber, Kartoffeln obenauf. So gart jede Zutat im eigenen Dampf und behält ihren Charakter.
📝 Das ursprüngliche Rezept (4 Personen):
Zutaten:
250 g Rindfleisch (Schulter), 250 g Schweinefleisch (Bug), 250 g Lammfleisch (Hals), 500 g festkochende Kartoffeln, 1 kleiner Wirsingkopf, 2 Möhren, 1 Petersilienwurzel, 1 Stange Lauch, 2 Zwiebeln, 30 g Butter oder Schmalz, 500 ml kräftige Fleischbrühe, Salz, Pfeffer, 1 Bund Petersilie, 1 Prise Muskat
Zubereitung:
1. Fleisch in mundgerechte Würfel schneiden, leicht salzen und pfeffern. Kartoffeln schälen und in dicke Scheiben schneiden. Wirsing in Streifen, Möhren und Petersilienwurzel in Scheiben, Lauch in Ringe und Zwiebeln in Würfel schneiden.
2. Einen schweren Topf oder Bräter mit Butter ausstreichen. Zuerst die Zwiebeln auf den Boden geben, dann das Fleisch als unterste Schicht einlegen.
3. Darüber Möhren, Petersilienwurzel und Lauch schichten. Dann den Wirsing verteilen. Als oberste Schicht die Kartoffelscheiben dachziegelartig auflegen. Jede Schicht leicht salzen, pfeffern und mit Butterflöckchen belegen.
4. Die Fleischbrühe am Rand eingießen, ohne die Schichten zu zerstören. Muskat darüber reiben.
5. Deckel fest auflegen, auf dem Herd zum Kochen bringen, dann bei milder Hitze 90 Minuten sanft schmoren lassen. Nicht umrühren – die Schichtung ist das Geheimnis.
6. Mit reichlich gehackter Petersilie bestreuen und direkt aus dem Topf servieren. Dazu passt kräftiges Bauernbrot.
💡 Warum es heute noch lohnt:
Der Pichelsteiner ist ehrliche Schichtarbeit – kein Rezept für Eilige, aber eines, das den ganzen Haushalt mit einem einzigen Topf satt und glücklich macht. Er wurde vergessen, weil drei Sorten Fleisch heute als aufwendig gelten, dabei war genau diese Mischung einst der Clou: Jeder Bauer gab, was er hatte. Wer ihn einmal richtig geschichtet hat, versteht, warum ein ganzes Volksfest nach ihm benannt wurde.
❓ FRAGE AN EUCH:
Drei Sorten Fleisch im Eintopf – macht ihr das noch so, oder habt ihr eine eigene Variante, die bei euch Familientradition geworden ist?
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